Ralfs seltener T3 Westfalia Club Joker mit Rundsitzecke. Vom Alltagskauf zum Klassiker.
Ralf fährt einen äußerst seltenen Club Joker mit Rundsitzgruppe – ein echtes Unikat unter den T3-Campern. Seinen kurilenblauen VW-Bus besitzt er bereits seit dem Jahr 2003. Schon damals hatte der Bus eine bewegte Vergangenheit hinter sich, doch Ralf ist bis heute glücklich mit seinem Fahrzeug. Für ihn umfasst das Buslife weit mehr als nur das Fahren: anschauen, übernachten, waschen, schrauben – all das gehört für ihn genauso dazu wie das gesellige Zusammensein mit anderen Bullifreunden. Hier ist seine Geschichte:
Der Club Joker mit Rundsitzgruppe – ein sympathischer Sonderling (1983–1984).
Es gibt Fahrzeuge, die nie zu echten Verkaufsschlagern wurden, aber dafür umso mehr Charakter besitzen. Der VW T3 Westfalia Club Joker mit Rundsitzgruppe, gebaut etwa zwischen 1983 und 1984, ist genau so ein Fall. Man erkennt ihn sofort an seiner gemütlichen Rundsitzgruppe. Das Konzept versprach Wohnlichkeit pur, fast wie ein Miniatur-Wohnzimmer auf Rädern. Doch so heimelig das Ganze wirkte, so kompromissreich war es in der Praxis. „Der war supergemütlich, aber irgendwie unpraktisch – wohin mit dem ganzen Zeug?“, erinnert sich ein Nutzer im Bulliforum. Und genau das war das Problem: Die charmante Sitzecke fraß Stauraum.
Farblich besonders.
Optisch war dieser frühe Club Joker ein echter Hingucker. Viele Fahrzeuge trugen das markante Kurilenblau (Farbcode LH5T) – ein intensives Mittelblau, das in Kombination mit dem goldfarbenen Dekorstreifen (fehlen hier) eine fast maritime Anmutung hatte. Innen dominierten warme Brauntöne, beige Möbelfronten und Stoffe, die klangvolle Namen wie „Adagio“ trugen. Das Ganze strahlte Gemütlichkeit aus, fast wie ein Mini-Wohnzimmer auf Rädern.
Technik.
Technisch war dieser Club Joker einer der Übergangszeit: Unter der Motorklappe arbeitete meist, wie auch hier, der 78 PS starke wassergekühlte Boxer (DG) mit zwei Litern Hubraum. Ein Motor, der als robust galt, aber schon damals nicht als spritzig beschrieben wurde. Einer aus dem T3-Forum formulierte es ehrlich: „Der DG läuft wie ein Uhrwerk, solange du ihm nicht ständig Vollgas gibst. Aber Überholprestige? Fehlanzeige.“ Doch auf so etwas kam es bei dem Bus auch nicht an. Wer das wollte, hat den Bus nie verstanden.
Seele und Stauraum.
Dieser Bus hat eine Seele. Vielleicht, weil er das wohnlichste aller T3-Konzepte war. Die Rundsitzgruppe lud zum Verweilen ein – mit offener Heckklappe, einem Kaffee auf dem Campingtisch und einem Hauch von Yachtgefühl. Allerdings war das der große Pferdefuß: Der Stauraum unter den Sitzen war begrenzt, die Schlafumrüstung komplizierter, und das Gewicht höher. Viele Camper, die praktisch reisen wollten, entschieden sich daher für den klassischen Längsbank-Grundriss. Westfalia zog die Konsequenz und stellte das Modell nach kurzer Zeit wieder ein.
Ralf brauchte Platz.
Ralf, ein Busfahrer aus Leidenschaft, besitzt seit 2003 genau so einen Club Joker in Kurilenblau. Als er ihn kaufte, war das kein bewusst gesuchtes Liebhaberstück – er wollte schlicht „einen Bus mit viel Platz“, um mit seinem Hund zu Hundetreffen zu fahren. „Ich hab gar nicht nach einem Club Joker gesucht“, erzählt er schmunzelnd. „Aber der stand da, sah solide aus, und die Sitzgruppe hinten fand ich irgendwie gemütlich – da war’s entschieden.“ Seitdem begleitet ihn der Club Joker durchs Leben.
Der große Motorwechsel.
Mittlerweile arbeitet im Heck kein DG-Motor mehr, sondern ein 2E-Motor aus dem Golf – ebenfalls ein 2,0-Liter-Benziner, aber mit 115 PS deutlich kräftiger. „Das war irgendwann nötig“, sagt Ralf pragmatisch. „Der alte Motor war einfach müde, und ich wollte etwas mehr Zugkraft.“ Er gilt als kräftiger, modernerer Antrieb, der den T3 deutlich agiler macht. In der Szene wird dieser Umbau als nicht unüblich bewertet, solange er fachgerecht gemacht ist. Einer schrieb einmal in einem Forum: „Mit dem 2E fährt der T3 endlich so, wie er immer hätte fahren sollen.“
Historie.
Sein Exemplar hat inzwischen eine bewegte Vergangenheit hinter sich: rund sechs bis sieben Vorbesitzer, zahllose Geschichten, kleine und größere Umbauten. Als er ihn kaufte, gab es viel zu tun.
Nostalgie, Zweckmäßigkeit und Herzblut.
Ralf sieht das pragmatisch: „Mir war wichtig, dass er zuverlässig läuft. Ich fahr lieber entspannt, aber ohne Angst, dass’s bergauf zäh wird.“ Und genau das verkörpert dieser Bus – eine Mischung aus Nostalgie, Zweckmäßigkeit und Herzblut.
Ein kleines Stück Westfalia-Geschichte.
Heute sind die frühen Club Joker mit Rundsitzgruppe selten geworden. Sie galten schon damals als Nischenlösung, und viele wurden später umgebaut oder verschrottet. Doch wer einen in gutem Zustand findet, hat ein Stück Westfalia-Geschichte vor sich – ein Beispiel dafür, wie mutig die Entwickler damals mit Raumkonzepten experimentierten. Nicht alles war ein Verkaufserfolg, aber vieles hatte Stil. Oder, wie ein Sammler es im Bulli-Forum formulierte: „Der Club Joker mit Rundsitzgruppe ist wie ein alter Sessel – unpraktisch, aber man will trotzdem drin sitzen.“
Seltenheit.
In Sammlerkreisen tauchen solche Modelle nur sehr selten auf. In Foren liest man liebevolle, aber auch augenzwinkernde Kommentare wie: „Ein toller Bus für den Campingplatz, aber nichts für die Alpen.“ „Die Rundsitzecke war schön zum Weintrinken, nicht zum Verstauen.“
Die Lounge Couch.
Und doch – wer je in einem solchen Bus saß, versteht die Faszination. Der Innenraum hat etwas Intimes, fast Salonartiges. Die Sitzbank zieht sich U-förmig an den Wänden entlang, in der Mitte steht der Tisch, das Licht fällt weich durch die Vorhänge. Ein bisschen wie ein Tiny House der Achtziger.
Ein Resümee.
Der Club Joker 1983/84 mit Rundsitzgruppe war ein sympathischer Irrtum – zu gemütlich für den Alltag, zu unpraktisch für die Langstrecke, aber voller Seele. Er steht für eine Zeit, in der Westfalia experimentierte, um Reisen komfortabler und wohnlicher zu machen. Und für Menschen wie Ralf, die solche Fahrzeuge nicht wegen des Kultstatus, sondern wegen ihrer Geschichte und Persönlichkeit behalten.
Alles Gute für Deine weiteren Reisen, Ralf! Wir sehen uns, spätestens auf dem nächsten Bullitreffen 😃✌️
Die Impressums-Seite beinhaltet ebenfalls Ausführungen zu folgenden Themen: Urheberrecht-Kennzeichenrecht-Haftungsbeschränkung für Inhalte-Verwendung externer Links-Datenschutzeinführung-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).